Katzenhilfe Hoyerswerda e.V
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Erster Besuch bei der Katzenhilfe  (06/2003)

Die neuen Freigehege sind fertig (06/2003)

 

Mein Besuch in Hoyerswerda
Reisebericht der Tierfreundin Heike
Juni 2003
 
Nach rund 550 km Anfahrt tauchen wir ein in eine andere Welt. Auf alten Kopfsteinpflasterstraßen durch kleine Ortschaften mit fremd klingenden sorbischen Namen, vorbei an urigen alten Bauernhäuschen mit Blumen und Obstbäumen in den Vorgärten; über alte Bahnübergänge, vorbei an

blühenden Weizenfeldern und an grasenden Kühen auf den Wiesen. So hatte ich es mir hier wahrlich nicht vorgestellt. Nach einigen Kilometern erreichen wir Hoyerswerda.

Erstmals wurde Hoyerswerda 1268 urkundlich als Acker-, Bauern- und Handwerkerstädtchen erwähnt. Seit der Wende hat sich vieles in Hoyerswerda verändert. Industriebetriebe wurde geschlossen. Hoyerswerda - als ehemalige "zweite sozialistische Wohnstadt der DDR" für die Kohle- und Energiearbeiter des "größten Braunkohle- und Steinkohleveredlungskombinats Europas", Schwarze Pumpe, verlor ihre Industrie und damit ihre Einwohner. Viele sind auf der Suche nach Arbeit weggezogen. Häuser und Straßen wurden saniert - viele Häuser wurden gar abgerissen, da die Einwohnerzahl sich nach der Wende dramatisch verändert hat. Die Einwohnerverluste betrafen vorwiegend die Neustadt, deren Bevölkerungszahl von 55.000 auf heute etwa 35.000 Einwohner gesunken ist. So gilt es, einen Bevölkerungsverlust von gut einem Drittel zu verkraften. Vor allem die jungen Leute verlassen die Stadt, da es kaum Aussicht auf Ausbildungsplätze, geschweige denn Arbeit gibt.

Über frisch sanierte Straßen, vorbei an renovierten Wohnblöcken fahren wir Richtung Katzenhilfe, bis wir schließlich abseits vom Zentrum gelegen zu dem weißen Gebäude mit hübsch bepflanzten Blumenkästen gelangen. Während wir noch aussteigen kommt uns bereits eine lachende Frau Koch, Leiterin der Katzenhilfe, entgegen. Was strahlt diese Frau für Kraft und gleichzeitig Wärme aus! Ich bin begeistert.

In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre setzen wir uns zunächst einmal zusammen. So viel gilt es zu erzählen und bei selbst gebackenem Kuchen von Frau Kochs` Mutter und liebevoll geschmierten Schnittchen stellt sich sofort eine unglaubliche Vertrautheit ein. Wir berichten von unserer Anfahrt und lauschen dann interessiert den Neuigkeiten von der Katzenhilfe.

Eine ungläubige Frau Koch berichtet von den Ereignissen nach dem Spendenaufruf vom März 2003. So konnten seit  Anfang des Jahres bereits 90

Katzen vermittelt werden. Ein Schnitt, der in der Geschichte der Katzenhilfe einmalig ist. Menschen aus den verschiedensten Ecken des Bundesgebietes fanden sich in Hoyerswerda ein, um einer oder mehreren Katzen ein neues Zuhause zu geben. Nach den umfangreichen Aufrufen im Internet konnten bislang über 20 Paten für nicht- oder schwervermittelbare Katzen der Katzenhilfe Hoyerswerda gewonnen werden. Wie sehr diese Patenschaften helfen, kann Frau Koch kaum ausdrücken.

Mit Freudentränen in den Augen berichtet sie uns von den vielen kleinen und großen Paketen, die in den letzten Wochen im Heim eingetroffen sind. Futter- und Geldspenden, Spielzeug, Decken und Körbchen sind sowohl von Privatleuten sowie von Unternehmen bei der Katzenhilfe eingetroffen. Gerade rechtzeitig noch, sagt uns Frau Koch, die sich noch vor wenigen Monaten einer derart lebensbedrohenden Situation für die Katzenhilfe gegenüber sah. - "Danke!" sagt sie allen Spendern und Fürsprechern, die der Katzenhilfe Hoyerswerda in der schwierigen Zeit so sehr geholfen haben.

Eine Unterstützung erfuhr die Katzenhilfe auch durch das Sozialamt Hoyerswerda, das den Bau für drei neue Außengehege finanzierte und für die Bauausführung Sozialhilfeempfänger zur Verfügung stellte. Wie nötig diese neuen Gehege waren, versteht jeder, der die unglaubliche Anzahl der Katzen im Heim von Hoyerswerda sieht.

Über 200 Katzen befinden sich derzeit in der Obhut des Heimes; ausgesetzte, abgeschobene, kranke, verletzte, misshandelte und schlichtweg hilflose Katzen. Was die Tiere in ihren oftmals sehr jungen Leben teilweise erleben mussten, hören wir, als Frau Koch uns durch das Heim führt.

Wir lernen Kater Yevgeny mit dem Knickohr kennen, der anstelle des üppigen Katerschwanzes lediglich noch einen kurzen Stummelschwanz hat. Gänzlich verfault war der Schwanz bereits, als der Kater gefunden wurde. So konnten die Tierschützer den Schwanz nur noch amputieren lassen, um das Leben des Katers zu retten. Doch was zeigt uns der kleine Yevgeny für ein Vertrauen, nachdem er ganz offensichtlich so Schreckliches erlebt hat. Er weicht kaum von unserer Seite, streicht uns laufend um die Beine und drückt sich kuschelnd an uns, wenn wir ihn auf den Arm nehmen.

Begleitet werden wir von der schwarz-weißen Katze Schimpfi, die lautstark vor sich hin erzählt, immer darum bemüht, doch ja ausreichend Aufmerksamkeit zu erhaschen. Kater Romeo muss sich in acht nehmen, dass er uns durch die großzügigen Außengehege folgen kann. Auch er sucht, wie so viele der Katzen, unsere Zuwendung und Nähe.

Wie kann es sein, frage ich mich, dass in einem Heim mit über 200 Tieren die Katzen auf Zuruf reagieren? Jedes Tier scheint seinen Namen offenbar sehr gut zu kennen und quittiert die direkte Ansprache von Frau Koch mit einem Mauzen oder Augenzwinkern. Wie nah ist diese Frau mit den ihr anvertrauten Katzen verbunden? Sehr eng offenbar, denn eine derart familiäre Atmosphäre habe ich in einem Tierheim noch nicht erlebt.

Bis auf wenige Ausnahmen bewegen sich alle Katzen frei in verschiedenen großzügigen Gehegen mit bis zu 25 Tieren. Die Gehege bestehen jeweils aus einem Raum und einem dem Raum vor gelagerten geschützten Außengehege. In den Räumen sind rund 60 cm tiefe decken hohe Regale aufgestellt, auf denen die verschiedensten Körbe für die Schlummer- und Kuschelstunden der Katzen ihren Platz finden. In einer Ecke eines jeden Raumes stehen unter den Regalen jeweils mehrere Katzentoiletten. Und neben weiteren Hockern und Ablagen, die mit kuscheligen Decken versehen sind, finden sich in den Räumen Kratzmöglichkeiten und Spielzeug. Zu den Fütterungszeiten werden den Katzen mehrere Schalen und Tabletts mit Futter an verschiedenen Stellen in den Räumen aufgestellt.

Die Außengehege sind - und das ist eine völlig neue Erfahrung für mich - nicht mit einem Steinboden versehen. Nein, so sagt uns Frau Koch, sie wollte den Katzen eine möglichst natürliche Umgebung innerhalb der Außengehege bieten. Deshalb wurde Gras ausgesät, Pflanzen eingesetzt, Baumstämme aufgestellt und hingelegt und weitere Klettermöglichkeiten geschaffen. Sehr beliebt scheinen bei den Katzen die Holztürme zu sein, die Dank emsiger Hilfe eines ganz lieben Rentners kürzlich aufgestellt wurden. Auf den verschiedenen  Ebenen  liegen Katzen blinzelnd in

der Sonne, während einige es vorziehen, durch die kreisrunden Ausschnitte in den Wänden lediglich einen kurzen Blick nach draußen zu werfen. Hier und da lässt nur ein heraushängendes Bein, die Katze im Inneren erahnen.

In einem der Räume treffen wir die 9jährige Tigerin Elsa auf dem Fensterbrett schnurrend liegen. Eine Schmusekatze, wie sich herausstellt. Ja, sie war bereits einmal vermittelt, hören wir, kam jedoch wieder zur Katzenhilfe zurück, da das bereits im Haushalt lebende Tier die arme Elsa so gar nicht akzeptieren wollte. Was für eine liebe, verschmuste Katze.

Während wir noch über Elsa sprechen, schleicht uns vorsichtig ein kleiner Geselle um die Beine. Kasimir! Mit seinem unsteten Gang humpelt er mühevoll um uns herum. Der rote Bollek mit seinen unbeschreiblichen Augen drängt ebenfalls zu uns herüber und ist um jedes Streicheln bemüht. Und so teilen wir uns dann zunächst die Schmuseeinheiten. Einer beschmust Kasimir, der andere Bollek und die anderen Katzen, die laufend herbeikommen.

Kasimir erleben wir als die Ruhe selbst. Er wird beschmust, während er genüsslich eine ganze Schale voll mit Futter verdrückt. Nicht im Geringsten würde er sich dabei stören lassen, haben wir den Eindruck. Und so ist es auch.

Kasimir hat in den letzten Tagen gute Fortschritte gemacht. Er hat an Kraft gewonnen, so dass die OP nun bald durchgeführt werden kann. Frau Koch ist froh, dass Kasimir so gut frisst, schließlich braucht er für die schwere Zeit nach der OP einige Gramm zusätzlich. Hier sei noch einmal  all denen gedankt,

die die Aktion für Kasimir bisher so tatkräftig unterstützt haben. Dieser Kater hat es wirklich verdient.

Im abgeteilten Käfig nebenan hockt der völlig verängstigte kleine Mischi. Was dieser kleine Kerl Entsetzliches erlebt hat, kann er uns leider nicht sagen. Seine Angst vor Händen ist jedoch offensichtlich und so kann Frau Koch ihn nur ganz vorsichtig unter viel gutem Zureden etwas streicheln. Er genießt die liebevollen Berührungen und hat dennoch solche Angst, dass er sich unter lautem Schnurren ganz klein macht und in die Ecke drängt.

Der schwarze Opa Peter schleicht vorsichtig an uns vorbei, während wir den einäugigen Patenkater Ralf entdecken. Ralf ist ein schüchterner kleiner Kerl, der jedoch seine Neugierde über den fremden Besuch nicht so recht verbergen kann. Im so genannten "Veteranenraum" nebenan, begrüßt uns ein seelig in seinem Körbchen liegender Moritz. Moritz hat Probleme mit seinen Nieren und ist ebenfalls ein Patentier. Setzt man bei Moritz erst einmal zum Streicheln an, so kann man sich sicher sein, dass man seine Hand nicht so schnell wieder bekommt. Dieser kleine Kater weiß gar nicht wohin mit seiner ganzen Liebe.

Und schon wieder haben einige Katzenbabies bei der Katzenhilfe Hoyerswerda zunächst ein neues Zuhause gefunden. In allen Farben und Formen und beiderlei Geschlechts sind sie - teilweise mit ihren Müttern - in einem gesonderten Raum untergebracht. Ein Minikätzchen hatte ein Riesenglück, denn es wurde, nachdem es völlig alleine war, von einer anderen Katzenmutter im Heim adoptiert. Dadurch hat es nun eine realistische Chance, zu überleben.

Katzen, Katzen, Katzen ... wohin ich auch schaue. Wie ist dies alles hier nur zu bewältigen, frage ich mich. Ich höre, dass das größte Problem bei der Katzenhilfe Hoyerswerda nach wie vor die Arbeitskräfte sind. Lediglich fünf Personen teilen sich in einem Zwei-Schicht-System die Arbeit. Nur unter Aufbringung aller körperlichen Reserven ist das zu schaffen. Um 7 Uhr morgens beginnt offiziell die erste Schicht im Heim und nicht selten wird es spät in der Nacht, bis die Mitarbeiter den Arbeitstag beenden.

Für den nächsten Tag haben sich die Sächsische Zeitung und ein lokaler Fernsehsender zu Interviews angesagt. Sie wollen - aufgeschreckt durch die Ankündigung unseres Besuches - über die Katzenhilfe Hoyerswerda berichten. Zunächst finden wir uns bei Kaffee und Kuchen mit der Redakteurin der Sächsischen Zeitung zum Gespräch ein. Klar, sie interessiert unsere Motive, überhaupt ins ferne Hoyerswerda zu kommen und vor Ort aktiv zu werden. Wir beschreiben die Entwicklung des Spendenaufrufes im Internet, die Begleiterscheinungen am Rande und die Auswirkungen und Ergebnisse bis heute. Frau Koch schildert ihre tägliche Arbeit und die Schwierigkeiten, denen sie sich permanent gegenüber sieht. Nach rund 60 Minuten werden wir noch zu einigen Fotos gebeten.

Ein nahloser Übergang ergibt sich, als die Redakteurin der Sächsischen Zeitung geht und Redakteurin und Kamerafrau des lokalen Fernsehens eintreffen. Einzeln stellen wir uns vor die Kamera und werden, mit den Außengehegen im Rücken, wieder über unsere Motivation und weitere Hintergründe befragt. Die Fernsehaufnahmen nehmen doch einige Zeit in Anspruch: rund 2 Stunden sind wir alle damit beschäftigt. Für die Sendung "Ein Heim für Tiere" werden noch zusätzliche Aufnahmen von zu vermittelnden Katzen gemacht.

Wir nutzen die noch verbleibende Zeit bis zu unserer Abreise für weitere Gespräche mit Frau Koch. Was können wir aus der Ferne tun, um der Katzenhilfe eine sinnvolle Unterstützung zu geben? Wir erfahren, das Frau Koch unendlich glücklich über die bisher erreichten Erfolge ist. Große Sorgen machen ihr jedoch weiterhin die nur spärlichen Helfer im Heim. Mit diesen wenigen Personen ist die Arbeit kaum zu schaffen und die Grenzen der Belastbarkeit sind lange erreicht.

Außerdem muss an den Räumen, in denen die Katzen untergebracht sind, dringend etwas getan werden. Wären sie komplett gefliest, könnten sie viel besser gereinigt werden. Fliesen und Material liegen zur Verarbeitung bereit, jedoch hat sich bisher niemand gefunden, der die Fliesenarbeiten ausführen kann und will. Da, wo nicht gefliest ist, müssten dringend die PVC-Böden ersetzt werden. An verschiedenen Stellen ist der PVC völlig kaputt und gewährleistet keine effiziente Nassreinigung. So wäre die Katzenhilfe für PVC- und Teppichreste äußerst dankbar.

Über die Übernahme der bisherigen Patenschaften ist Frau Koch sehr glücklich, sichern sie doch zu einem Teil die Finanzierung der jeweiligen Patenkatzen. Die weitere Vermittlung von zusätzlichen Patenschaften würden das Heim unglaublich entlasten.

Futterspenden, Geldspenden - alle Zuwendungen werden in Hoyerswerda dringend gebraucht.
 
Ich bin eine bodenständige Frau, mit klarem Menschenverstand und großer Liebe zum Tier. Plüschige Ansichten und verklärte Betrachtungen der Situation sind nicht mein Ding. Meines Erachtens wird bei der Katzenhilfe Hoyerswerda eine unglaublich gute Arbeit geleistet. Mit so viel Power, ganz viel Herz und Katzenverstand. Ich bin begeistert und werde auf jeden Fall wiederkommen.