Katzenhilfe Hoyerswerda e.V
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Ein Katzenzimmer wird renoviert
Reisebericht der Tierfreundin Heike
Pfingsten 2004
 
Viel zu lang schien uns der letzte Besuch bei der Katzenhilfe in Hoyerswerda her zu sein. Lediglich virtuell - per Internet, nur in Ausnahmefällen real - hatten wir in den vergangen Monaten die Möglichkeit, uns rund ums Thema auszutauschen, Pläne zu schmieden, Entwicklungen zu reflektieren. Und so brannte es uns schließlich sehr unter den Nägeln, endlich wieder loszulegen.

Aber was können wir nach mittlerweile mehr als einem Jahr im Einsatz für die Katzenhilfe sagen? Es haben sich Freunde gefunden; engagierte Menschen mit Visionen und der Lust anzupacken.

Für mich ist unser Engagement rund um die Katzenhilfe eine Herzensangelegenheit. Schritt für Schritt bringen die Tierfreunde sich ein, organisieren, diskutieren und planen. Nein, man muss keine großen Taten vollbringen, um anderen zu helfen. Im allgemeinen Lärm der Welt lügen oftmals die Gesten und die Herzen schweigen. Da freue ich mich um so mehr, dass ich Teil dieser Truppe bin. Mich macht dieses Engagement sehr glücklich.
Nur noch wenige Tage, dann sollte es losgehen ...

Alle waren schwer beschäftigt, denn es galt noch so vieles zu organisieren: Futter, Katzentoiletten, Sisal, Reinigungsmittel, Körbchen, Leckerlies, Katzengras, PVC, Kleber usw. usw. In unseren Köpfen ging es drunter und drüber, und wir hatten Mühe, uns vorzustellen, dass all unsere Sachen in die Autos hineinpassten. Da war es am 26. Mai schließlich eine wahre Meisterleistung, als Nadine und Manu das Auto bepackten. Sehr schwer bepackt machten die Beiden sich auf gen Osten und bildeten so die Vorhut unserer Aktion.

Keine Frage: die nächtliche Anfahrt steckte unseren beiden Mädels ordentlich in den Knochen Zu Ruhe kamen sie dennoch nicht, konnten sie es doch kaum erwarten, loszulegen. Und so fuhren sie gleich nach ihrer Ankunft direkt zum Tierheim und begannen, den Wagen auszuladen. Ein schöner Berg türmte sich vor dem Auto auf und Frau Koch wunderte sich doch sehr, was in so ein Auto doch alles hineinpasst. Mit großen Augen wurden die mitgebrachten Dinge bestaunt und schließlich gleich an den entsprechenden Plätzen im Heim verteilt.

Doch auch eine Katzenfreundin aus Berlin kam an diesem Tage mit bepacktem Auto bei der Katzenhilfe in Hoyerswerda an. Viola hatte so allerlei im Gepäck, was die Herzen höher schlagen lies: Katzenfutter, Körbchen, Spielzeug und liebevoll selbst genähte Kissen. Die Leute vom Tierheim staunten nicht schlecht, als an diesem Tage noch ein zweites Auto vor dem Gebäude entladen wurde.

Es galt keine Zeit zu verlieren und so warfen sich Viola, Manu und Nadine in ihr Arbeits-Ensemble und sahen sich zunächst einmal den Raum an, der in den folgenden Tagen renoviert werden sollte. Decke, Wände, Fenster- und Türrahmen benötigten einen neuen Anstrich und der Boden schrie förmlich nach einem neuen Belag. Mit Spachtel, Farbe und Pinsel bewaffnet machten sich die Mädels ans Werk. So manche Stelle bedurfte eines zweiten und manchmal sogar dritten Anstrichs, da die Farbe in der Decke förmlich zu verschwinden schien. Am späten Abend kamen sie dann doch langsam zum Ende und machten sich schließlich mit "mächtigen Oberarmen" und viel Farbe überall auf in die Pension.

Sie schienen sehr gut geschlafen zu haben, empfingen sie uns doch am nächsten Morgen mit strahlendem Lächeln und gezückten Fotoapparaten. Nach kurzer Begrüßungsknuddelei vor dem Tierheim rauschte dann auch schon Frau Koch um die Ecke (und die Knuddelei begann von vorne). Gemeinsam entluden wir das Auto und verteilten die Sachen in den Lagerräumen. Und so langsam bekam dann auch Frau Koch wieder eine Vorstellung, was ihr bei einem Besuch von uns immer so blüht. Während des Verstauens freute sie sich sehr über die mitgebrachten Sachen für das Tierheim.

Phase II war mit diesem Tag eingeläutet. Die Wände des Raumes galt es zu streichen und das Gestänge der breiten Regalkonstruktion war bereit für eine neue Lackierung. Wir bildeten zwei Arbeitsgruppen: Nadine und Manu machten sich an die Streicharbeiten im Raum; zu zweit lackierten die Regalelemente. - Jeder wusste, was zu tun war und so redeten wir nicht viel.

Unterbrochen wurden wir nur, wenn Frau Koch zum Essen rief. Und damit meinte sie es wirklich gut. (Wir alle hatten  nach unserem Arbeitseinsatz bei der Katzenhilfe  das schleichende Gefühl, wohl den ein

oder anderen Zentimeter um die Hüften zugelegt zu haben.) Der zweite Tag in Hoyerswerda war arbeitsreich und lang für alle Beteiligten. Noch zwei / drei Worte zur Nacht und wir fielen in den verdienten Schlaf.

Am Samstag frühstückten wir gemütlich und fuhren dann rüber ins Tierheim. Nicht lange und schon standen dann auch Manuela und Bernd vor der Tür. Von der schwäbischen Alp in die Weltstadt Hoyerswerda: das war schon was. Entsprechend gerädert waren die Beiden, was ihrem Tatendrang jedoch keinen Abbruch tat. Fix wurde der Wagen ausgeladen, das Material verteilt und sich in die Arbeitsklamotten geschwungen.

Wir bildeten neue Arbeitsgruppen. Der Boden im renovierungsbedürftigen Raum wurde geschrubbt, mit Mörtel ausgeglichen und schließlich nach und nach mit Fixierer versehen. Und weil das alles eine so tolle Arbeit war, hat uns dabei Anja (freiwillige Helferin im Heim) mit unter die Arme gegriffen.

Team zwei (Bernd und ich) bezog vor dem Tierheim Position, um neue Kratzstämme herzustellen. Immer im Wechsel: einer wendet den Stamm, der andere zieht das Sisal stramm. Das klappte ganz gut und so sahen wir uns am Ende des Tages mehreren wohlgeformten neuen Kratzstämmen gegenüber.

Aber auch die Regalkonstruktion war noch nicht fertig lackiert. Fleißige Hände malten an diesem Tag, was das Zeug hielt. Eben noch in abweisenden Nato-Grau erstrahlten die Gestänge am Abend dann in freundlichem Terrakotta.

Mit schöner Regelmäßigkeit rief uns Frau Koch zum Essen. Das konnte wahlweise Mittag, Kaffee oder auch Abendbrot sein - da war sie gar nicht so.

So richtig konnten wir an diesem Abend kein Ende finden - und so wurde es sehr spät. Schließlich waren wir dann aber doch so erledigt, dass wir in die

Pension aufbrachen. Dass wir wohl doch sehr müde waren, merkten auch Frau Koch und Antje (Stellv. Heimleitung). Sie wunderten sich still, das unsere Truppe binnen Sekunden in den Autos verschwunden war. Einzig Nadine warf ihnen wohl noch ein "Gute Nacht" zu. Wir Banausen! (Am nächsten Tag haben wir alle drüber gelacht).

Die Nacht war kurz und so verlief unser Frühstück doch ziemlich ruhig. Etwas knochenlahm und müde machten wir uns schließlich wieder auf ins Tierheim.

Im Heim begrüßten uns Yvonne und André, die an diesem Tag auch mit anpacken wollten. Der Fixierer des PVC war noch nicht vollends durchgetrocknet und so hatten alle an diesem Tag etwas mehr Zeit, auch mal durch die Katzenräume und -gehege zu gehen.

Viele bekannte kleine Gesichter haben wir gesehen: Kater Jakob mit der schweren Rückgratverletzung, Kater Kasimir (auf drei Beinen aber "King of the Koppel") , Kater Carlo, den Schneeweißen, den mit seinen 11 Jahren offenbar niemand ein Zuhause schenken mag. Die momentan rollige Katze Maja raubte mit ihren Verrenkungen wohl allen den Verstand (am meisten wohl sich selbst), Kater Beißerchen kaute mit wahrer Wonne auf unseren Fingern herum und die kleine Murkel ist gar so winzig, das sie locker als Katze von 5 Monaten durchgehen würde.

Wie sehr genossen die Katzen doch alle das schöne Wetter. In den Außengehegen herrschte echter Andrang und die Zimmer waren wie leergefegt. Im Gras, auf den Stämmen, den Bänken, den Türmen und den Balken - überall dösten Katzen in allen Formen und Farben und jeden Alters vor sich hin. Manch eine von ihnen eher scheu und zurückhaltend, andere eher zugänglich. Wir schmusten hier und streichelten dort... und machten uns schließlich doch wieder an die Arbeit.

Zwischenzeitlich war der PVC begehbar und so machten wir uns an das Aufstellen der großen Regalkonstruktion. Mit Geduld und Spucke und vereinten Kräften stand die große Regalwand schließlich wieder. Nun aber flott! - Das Zimmer musste wieder eingeräumt werden, damit die Katzen endlich wieder in ihren gewohnten Raum konnten. Decken und Kissen, Körbchen, Katzentoiletten, Spielwürfel, Spielzeug ... alles wollte an seinen Platz. (Muss ich an dieser Stelle schreiben, wie schwer es war, Frau Koch davon abzuhalten, in den Raum zu kommen ? Zu gerne hätte sie sofort mal reingeschielt, aber sie tröstetet sich mit Unkrautzupfen ... gleich gegenüber dem Raum.)

Endlich war es soweit: wir riefen Frau Koch und Antje und baten Sie in den Raum. - Kann sich jeder die Gesichter von Kindern vorstellen, die vor dem Weihnachtsbaum stehen ? Wie glücklich waren die Beiden, als sie nun schließlich den renovierten Raum sahen. Endlich ein neuer Bodenbelag, der wieder vernünftig nass gereinigt werden kann. Neue Farbe an den Wänden, der Decke, den Fenster- und Türrahmen. Wie freundlich wirkte der Raum plötzlich! Doch der spannendste Moment stand uns noch bevor.

"Luke auf, der Spaß beginnt": die Katzen betraten ganz vorsichtig nach und nach den Raum. Leicht geduckt, zurückhaltend schnüffelnd ... ganz, ganz vorsichtig. Überall im Raum waren die Dinge mit Katzenminze abgerieben worden, damit die eventuellen Ausdünstungen der neuen Materialien nicht zu abschreckend auf die Katzen wirkten. Einer nach dem Anderen wagte sich vor. Die Regale wurden abgeschritten, in den Körbchen wurde Probe gelegen und mit vier Katzen rein ins Kratzhaus.Mindestens eine Katze belagerte immer den Spielwürfel. Auch die neuen langen Kratzstämme fanden sofort aufsteigewillige Katzen. Es wurde geklettert, geschnüffelt, mit Fellmäusen gespielt und gestaunt. "Ist das wirklich unser Raum?" schienen einige Katzen sich seltsam guckend zu fragen.

Wir haben an diesem Tag noch in den verschieden Räumen die neu mit Sisal umwickelten Kratzbäume / Kratzstämme verteilt. Einige wurden bereits beim Aufstellen von den Katzen geentert. Ich unterstelle hier frecherweise mal, dass sie den Katzen wohl gefallen haben.

Unser letzter Abend bei der Katzenhilfe. Ein bisschen gerädert, müde, und doch sehr wehmütig saßen wir noch im Gemeinschaftsraum bei lecker Goulasch mit Nudeln zusammen. Wir reflektierten die vergangenen Tage, sprachen über die Katzen, wagten einen Blick in die Zukunft.

Ja, es gibt auch weiterhin eine Zukunft für den kleinen Verein im so fernen Hoyerswerda. So lange es Menschen gibt, die gewillt sind, über den Tellerrand gen Osten zu gucken, Visionen zu entwickeln und sich tatkräftig einzubringen, hat dieser Verein eine Chance. Ich bin dabei.