Katzenhilfe Hoyerswerda e.V
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Hoyerswerda

Quelle:
Bundeszentrale für politische Bildung
Christine Hannemann

Hoyerswerda, 1956 als "zweite sozialistische Wohnstadt der DDR" für die Kohle- und Energiearbeiter des "größten Braunkohle- und Steinkohleveredlungskombinats Europas", Schwarze Pumpe, errichtet, durchläuft seit der Wiedervereinigung einen dramatischen De-Industrialisierungsprozess:

Tausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Gleichzeitig nimmt die Bewohnerschaft der Stadt stetig ab und die verbleibende wird immer älter. In etwa zehn Jahren, so die Prognosen, wird die einst "jüngste Stadt" der DDR annähernd zur Hälfte von PensionärInnen bewohnt sein. Heute handelt es sich bei diesen zwar noch um die relativ gut versorgten KnappschaftsrentnerInnen.Aber künftig werden jene Personengruppen überwiegen, deren Bezüge als Folge von Vorruhestand und jahrelanger Arbeitslosigkeit eine eher trostlose Perspektive bieten: Einkommen/Vermögen und künftige Rentenansprüche sind gering. Hier droht ein Wiederanstieg der Altersarmut. Hinzu kommt, dass die gesamte technische und soziale Infrastruktur der Stadt angesichts der sinkenden Einwohnerzahlen überdimensioniert ist. Dieser Aufsatz verwendet Argumentationen aus einer Veröffentlichung der Autorin, die in der Publikation "Labor Ostdeutschland" der Bundeskulturstiftung, herausgegeben von Kristina Bauer-Volke und Ina Dietzsch, voraussichtlich im Juli 2003 erscheinen wird.

Wie können Stadtmütter und -väter unter diesen Bedingungen ihre Stadt entwickeln? "Was fängt man mit einem Gemeinwesen an", so der ostdeutsche Architekturkritiker Wolfgang Kil zu Recht dramatisierend, "das sich weder durch Zuzüge noch durch eigenen Nachwuchs reproduziert, also de facto zum Aussterben verurteilt ist?" Und weiter: "Was fangen die Bürger dieser Stadt mit sich an, wenn sie mehrheitlich alt und immer älter werden, zunehmend beschwert von körperlicher Mühsal und ohne finanzielle Ressourcen? Wird Hoyerswerda in zehn Jahren ein Rentnerparadies aus zweigeschossigen Hauszeilen, oder doch lieber mit alters- und pflegegerecht aufgerüsteten Hochhäusern, eingebettet in Parkanlagen mit vielen Bänken und Elektromobil-Ausleihservice, Haustierpflegestationen, die berühmte Bergarbeiter-Klinik umgerüstet zum geriatrischen Fachkrankenhaus, in der Lausitzhalle allwöchentlich Musikantenstadl und schließlich die Friedhofsgärtnerei als letzter Arbeitgeber mit garantierter Expansionsaussicht?"

Das sind Fragen, die sich heute in fast allen ostdeutschen Städten stellen und vielleicht auch sehr bald in den westdeutschen. Denn unabhängig von Lage, Größe, wirtschaftlicher Basis, Geschichte und administrativem Status zeigen sich die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Wende besonders in den tief greifenden Schrumpfungsprozessen von Städten und Regionen Ostdeutschlands. Es handelt sich dabei um eine Entwicklung, die zwar schon seit der Wende offensichtlich wurde, aber erst seit November 2000 politisch und wissenschaftlich nicht mehr ignoriert wird: "Die neue Herausforderung heißt Umgang mit Schrumpfung."

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik veränderten sich die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung in Ostdeutschland grundlegend. Die Wiedereinführung von Privateigentum an Grund und Boden, die Privatisierung volkseigener und genossenschaftlicher Mietwohnungen bei gleichzeitiger Restitutionspolitik nach dem Prinzip "Rückgabe vor Entschädigung" sowie die Altschuldenregelung für DDR-Wohnungsunternehmen und die Retablierung der kommunalen Selbstverwaltung bei gleichzeitigem Austausch der lokalen Eliten sind hier die wichtigsten Stichworte.

Alle Veränderungen in den Rahmenbedingungen stehen jedoch im Bann der "De-Industrialisierung". In der Diskussion um Ursachen, Ausmaß und Folgen der allgemeinen Krise globalisierter Wirtschaftsentwicklung mit stagnierendem Wachstum wird dieser Begriff in zwei Zusammenhängen verwendet. Zum einen bezeichnet er die Tertiärisierung der Produktion (Übergang von der verarbeitenden Produktion zur Dienstleistung), zum anderen aber auch den bloßen Abbau traditioneller Produktionsbereiche ohne deren Ersatz durch moderne Dienstleistungen oder andere Gewerbe des tertiären Sektors. Doch auch in dieser doppelten Bedeutung erfasst der Begriff der De-Industrialisierung Ausmaß, Inhalt und Resultat des wirtschaftlichen Strukturwandels und der daraus resultierenden hohen Arbeitslosigkeit, der demografischen Entwicklung und der urbanen Rückbildungsprozesse in den ostdeutschen Bundesländern nur unzureichend: "De-LPGsierung" (De-Kollektivierung der Landwirtschaft), "De-Administrierung" und "De-Militarisierung" sind gleichermaßen Prozesse mit erheblichen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der Städte in Ostdeutschland.

Der Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie - also die De-Industrialisierung - hatte die folgenreichsten und schwerwiegendsten Auswirkungen auf die wirtschaftliche Basis der ostdeutschen Städte. "Auf die Industrie entfielen im Saldo 70 % des Arbeitsplatzabbaus im Gefolge der deutschen Einheit." Die eruptive Marktöffnung, ein Umtauschkurs, der weit über der Kaufkraftparität lag, und eine erste Annäherung von Löhnen und Gehältern an das westdeutsche Niveau verursachten einen "Abschmelzungsprozess" bei den Arbeitsplätzen.
 
Die Landwirtschaft war für viele Städte im ländlichen Raum nach der Industrie die wichtigste wirtschaftliche Basis. Immerhin betrug der Arbeitskräftebesatz hier am 30. September 1985 850 000 Erwerbstätige, d.h., er war etwa doppelt so hoch wie in dem bevölkerungs- und flächenmäßig viel größeren Gebiet der früheren Bundesrepublik. Wie in den anderen Wirtschaftsbereichen war der Anpassungsdruck für die ostdeutsche Landwirtschaft enorm, nur betrug hier der Beschäftigungsrückgang zwischen 1989 und 1993 fast 80 Prozent; es handelte sich um den größten Arbeitsplatzverlust im Vergleich aller Wirtschaftsbereiche. Die Umstrukturierung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zu privatwirtschaftlichen Unternehmen ist zwar wesentlich erfolgreicher gelungen als etwa die Transformation im Industriebereich. Aber der Aufstieg erfolgreicher - die EU-Subventionssysteme ausschöpfender - Agrarunternehmen erfolgte bei gleichzeitigem sozialen Abstieg von ländlichen Regionen wie der Altmark in Sachsen-Anhalt oder des Landkreises Uckermünde-Randow in Mecklenburg-Vorpommern. Die Landwirtschaft trägt heute nur noch unwesentlich zur Wirtschaftskraft einer Stadt bei.
 
Insgesamt ist die Entwicklung der Städte in Ostdeutschland von Funktionsverlusten und wirtschaftlichem Strukturabbau gekennzeichnet. Zentrales Problem ist nicht die Transformation der wirtschaftlichen Basis, sondern vielmehr ihre weitestgehende Erosion. Infolgedessen kam es zu einer hohen Arbeitslosigkeit und einer stagnierenden bzw. rezessiven Wirtschaftsentwicklung, die bis zum jetzigen Zeitpunkt anhält. Seit 1991 hat die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ständig zugenommen und verharrt seit etwa 1997 relativ konstant bei 18 bis 19 Prozent der Erwerbsbevölkerung.

Das sozioökonomische Profil der ostdeutschen Städte ist durch hohe Sozialleistungen bei geringem Steueraufkommen und einer starken Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen charakterisiert. Da der ökonomische Wandel nicht nur - wie dargestellt - durch De-Industrialisierung verursacht ist, sondern einen allgemeinen wirtschaftlichen Strukturabbau umfasst, wird hier vorgeschlagen, treffender von der "De-Ökonomisierung" zu sprechen. Die wirtschaftliche Basis der ostdeutschen Städte ist weitgehend frei von "Marktwirtschaft". Schaut man sich die defizitären Haushalte der ostdeutschen Städte an, wird offensichtlich, dass diese überwiegend von Transferzahlungen getragen sind. Selbst erwirtschaftete Einnahmen von der Gewerbe- bis zur Hundesteuer haben einen verschwindend geringen Anteil.

Die Wanderungsbewegungen der Bevölkerung verlaufen schwerpunktmäßig von Ost nach West, und das siedlungsstrukturelle Gefälle in Ostdeutschland wird verstärkt. Schließlich bewirkt der ausbildungs- und erwerbsbedingte Abgang der jungen Bevölkerung in Ostdeutschland bei gleichzeitiger Zunahme der Lebenserwartung in den fünf Ländern eine Alterung der Bevölkerung...

Dramatischer Schrumpfungsprozess
Seit 1990 nimmt die Bevölkerung in der Region kontinuierlich ab...
Quelle:
http://home.t-online.de/home/rpv.ol-ns/beventw.htm

Bevoelkerungsentwicklung

Ausblick und Entwicklungstendenzen

Die Regionalentwicklung in der Oberlausitz bleibt langfristig ein spannender Prozess. Der Bevölkerungsrückgang in der Region erfordert eine offensive und realistische Gestaltung dieses Schrumpfungsprozesses, der vielen anderen Regionen innerhalb der Europäischen Union noch bevorsteht. Entwicklungsziele, Vorstellungen, Bewertungen und Wahrnehmungen werden unter diesen Bedingungen nicht nur an quantitativem Wachstum formuliert und gemessen werden können. Die Menschen dieser Region müssen diesen Prozess verstehen, Kraft und kreative Ideen aufbringen, damit Selbstbewusstsein und bürgerliches Engagement nicht verloren gehen. In diesem Prozess ist auch die Bedeutung der Region mit ihren Städten und Gemeinden neu zu definieren. Stadtentwicklungsziele und regionalplanerische Aussagen müssen auf realistischen Annahmen über die Bevölkerungsentwicklung basieren.
 
Ein gravierendes Beispiel für diesen Prozess stellt bereits heute die Stadt Hoyerswerda dar:

1988: 72 400 Einwohner,
30.06.2000: 51 400 Einwohner,
2010: voraussichtlich 35 000 bis 40 000 Einwohner.

Diese Entwicklungen erfordern ein gänzlich verändertes Planungsverständnis und einen besonderen regionalen Zusammenhalt, der in der Region noch entstehen muss. Dazu gehört auch, dass intraregionale Entwicklungsunterschiede akzeptiert werden und eine effiziente Regionalentwicklung mit Konzentration auf Entwicklungsschwerpunkte und -vorhaben erfolgt.


Mitteilungen der Johann-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie e.V.,
Berlin 2000, Nr. 22
Quelle: Druckausgabe

Für Statistiker erschließt sich die Welt aus Zahlenreihen. Die in ihnen verborgene Wahrheit kann so brutal sein, dass sie sich manchmal nur mit drastischen Vokabeln erklären lässt. "Das Szenario", stöhnt Annett Kirschke auf, "ist einfach absolut horrorhaft." Seit gut vier Jahren arbeitet die Dresdnerin im Statistischen Landesamt von Sachsen als Expertin für Demographie. In dieser Funktion hat sie jüngst daran mitgewirkt, die langfristige Entwicklung der Bevölkerung im Königreich von Kurt Biedenkopf zu prognostizieren.
 
Die Ergebnisse sind durchweg deprimierend. Zwischen den Jahren 2000 und 2020 verliert Sachsen 371 000 Einwohner. Das sind mehr, als in Chemnitz, der drittgrößten Stadt des Freistaates, leben. Aber nicht allein die Zahl, auch die Zusammensetzung der dann gerade mal vier Millionen Sachsen -1988 waren es fast fünf Millionen - ist Besorgnis erregend. Die Bewohner zwischen Zwickau und Zittau vergreisen zunehmend, obwohl sie schon 1997 mit durchschnittlich 41,2 Jahren die ältesten Deutschen waren. Doch das alles ist noch nichts. Gemessen zumindest an jener Kommune, die für die Statistikerin Kirschke "unsere grausigste im gesamten Freistaat" ist: das ostsächsische Hoyerswerda.

In vier verschiedenen Varianten hat das Landesamt die Zukunft von Hoyerswerda ausgeleuchtet. Das bittere Fazit: Die Stadt, einst für mehr als 72 000 Menschen gebaut, hat so gut wie keine Zukunft. Das Schicksal der 732-jährigen Sorben-Siedlung wird von zwei negativen, sich gegenseitig verstärkenden Trends dominiert: Abwanderung und Überalterung.

Hoyerswerda ist eine aussterbende Stadt, bis 2015 schrumpft sie trotz einer vorgenommenen Eingemeindung auf 40 300 Einwohner, bestenfalls sind es 700 mehr. Im Jahr 2020 wird die Marke von 40 000 endgültig und nachhaltig unterschritten. Und damit ist die Abwärtsspirale längst nicht beendet...


Arbeitslosigkeit: So viele sind ohne Beschäftigung
Quelle:
http://www.meinestadt.de/hoyerswerda/statistik?Bereich=ranking&Kreis=hoyerswerda&Kreisfrei=&id=12

Platz

Quote in %

Kreis/Stadt

1.

29,8 %

Kreis Uecker-Randow

5.

25,3 %

Kreisfreie Stadt Hoyerswerda

82.

16,8 %

Kreis Kamenz

437.

3,7 %

Kreis Erding



Die Arbeitslosenquote in der kreisfreien Stadt Hoyerswerda betrug im Juni 2004 25,3%.
Damit liegt der Kreis über dem Landesdurchschnitt Sachsen von 17,8% und
über dem Bundesdurchschnitt von 10,3%.
 

Sozialhilfe: So viele bekommen Hilfe zum Lebensunterhalt
Quelle:
http://www.meinestadt.de/hoyerswerda/statistik?Bereich=ranking&Kreis=hoyerswerda&Kreisfrei=&id=14

Von 1.000 Einwohnern erhalten in der kreisfreien Stadt Hoyerswerda 28,7% Leistungen aus der Sozialhilfe. Damit liegt der Kreis über dem Landesdurchschnitt Sachsen von 24,9%.

Platz

Quote in %

Kreis/Stadt

1.

112,3

Kreisfreie Stadt Bremerhaven

161.

28,7

Kreisfreie Stadt Hoyerswerda

320.

17,1

Kreis Kamenz

439.

3,8

Kreis Unterallgäu