Katzenhilfe Hoyerswerda e.V
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Tragödie mit Happy End
© Katzenhilfe Hoyerswerda - April 2001

An einem Abend im April rief eine Frau aus unserem Stadtgebiet an und teilte uns mit, dass sie eine verletzte Katze gefunden habe, die ganz abgemagert sei und nicht mehr laufen könne. Wir bereiteten die Aufnahme in unsere Krankenstation vor und konnten das Tier kurze Zeit später entgegennehmen.

Der erste Anblick war erschreckend. Ein kleines, abgemagertes, ausgetrocknetes und völlig verschmutztes schwarzes Etwas lag vor uns. Was mußte dieses Tier für Qualen erlitten haben ? Die Erstversorgung und die anschließende Tierarztdiagnose ließen kaum Hoffnung auf Genesung zu. Dennoch wollten wir nicht aufgeben, denn trotz allem Elend zeigte die Katze deutlich, das sie die Wärme und Geborgenheit genoss. So entschlossen wir uns zu dem Versuch, sie gesund zu pflegen.

Es hat viel Mühe und Aufwand gekostet, bis die Katze nach ein paar Tagen zumindest kleine Mengen wieder selbständig fraß. Schwärzi, wie wir sie nannten, fühlte sich von Tag zu Tag wohler, schlief sehr viel, nahm zu und bedankte sich für die gute Pflege bald mit Schlägen. Erst wollte sie immer schmusen und gleichzeitig schlug sie nach uns. Wir freuten uns über ihr Temperament, denn spätestens jetzt wussten wir, das wir richtig gehandelt hatten, und wir nahmen ihr ihre Attacken uns gegenüber nicht übel. Im Gegenteil, jeder von uns hatte sie bereits ins Herz geschlossen.

Unsere Vermutung, dass sie angefahren worden sein musste, glaubten wir auch durch ihren starken Gehfehler bestätigt zu sehen, der eine Folge ihrer schweren Verletzungen war. Schwärzi schien damit klarzukommen, aber etwas störte uns immer wieder an ihr. Obwohl sie wunderbare Fortschritte machte und es ihr eigentlich schon recht gut ging, lag sie meist mit traurigen Augen da, zeigte zeitweilig überhaupt keine Regung und verweigerte selbst die sonst so begehrten Leckerbissen.

Eines Tages, während der Besuchszeit, kam, ein älteres Ehepaar und wollte sich eine schwarze Katze anschaffen. Sie suchten sich bei unserer reichlichen Auswahl von schwarzen Katzen eine aus, die ihrer Meinung nach ihrer vermissten Katze am ähnlichsten sehe. Wir erkundigten uns, wie und wann ihre Katze abhanden gekommen sei. Das Ehepaar erzählte, das ihre sechsjährige Katze eines Tages aus der Wohnung in der vierten Etage verschwunden sei. Ein offen stehendes Fenster hatte den Verdacht erhärtet, das die Katze dort hinaus gestürzt und auf dem betonierten Gehweg vermutlich zu Tode gekommen sei. Dennoch hatte das Ehepaar lange Zeit vergeblich nach der Katze gesucht.

Als wir erfuhren, wo diese Leute wohnten, kam uns die Blitzidee: Schwärzi. Sie wurde nur ein paar Meter von diesem Wohnhaus gefunden. Doch unsere so gute Vorahnung schien ein Wunschgedanke zu sein, den wir wieder begruben, als wir erfuhren, wann die Katze verschwunden war. Es schien unmöglich, das die Katze mit solch schweren Verletzungen und starken Schmerzen von Februar bis April Schnee und Kälte, Hunger und Durst ausgesetzt war und diese Hölle überlebt hat.

Dennoch wollten wir die nur kurz aufgeflammte Hoffnung nicht gleich begraben und brachten das Ehepaar in unsere Krankenstation. Dort zeigten wir ihnen Schwärzi. Was dann geschah, war für uns unfassbar. Mann und Frau fingen an zu weinen und riefen immer wieder : "Unsere Mimi, unsere Mimi!" Wir trauten unseren Augen nicht, als Schwärzi aufsprang und zur Käfigtür rannte. Sie schrie und jammerte, wollte unbedingt zu diesen Leuten. Die Katze war wie ausgewechselt.

Nun lichtete sich das nebulöse Bild um Mimis Schicksal. Sie muss sich nach ihrem Fenstersturz trotz ihrer Beckenfraktur ins angrenzende dichte Gebüsch verkrochen und lange Zeit nahezu reglos dort vegetiert haben. Ihr starker Lebenswille, den sie uns auch signalisierte, als man ihr kaum mehr Chancen einräumte und uns dazu bewogen hat, sie dennoch zu pflegen, hat sie diese Qualen überstehen lassen. Ihre zeitweilige Apathie war offenbar nichts anderes als Trauer. Den Verlust ihrer Leute hat sie weniger rasch weggesteckt, als den Unfall und seine tragischen Folgen. Auch das Ehepaar hat lange Zeit unter dem Verlust gelitten, sich dann aber angesichts der Hoffnungslosigkeit ihres Suchens dazu entschlossen, ein Tier aus dem Tierheim bei sich aufzunehmen. Dass dies ihre Mimi sein würde, hätten sie sich nicht träumen lassen.

Heute geht es Mimi bei ihren Leuten wieder blendend. Sie ist kerngesund, verbringt den Sommer mit ihren Besitzern im Garten und wird kräftig verwöhnt.